Buchmesse in Leipzig 2017 und eine chaotische Mädels-WG. Was für eine wundervolle Mischung.

Aber das Tüpfelchen auf dem I waren die wundervollen, einmaligen Taxifahrer. Allein sie waren schon jede Fahrt wert.

Nach einem langen fußverschleißenden Tag marschierten wir – sparsam wie wir sind – mit letzter Kraft aber bester Stimmung Richtung S-Bahn Messe. Die Zeit war knapp, denn wir waren auf dem Weg ins Pascucci zur Häppchenlesung und es gab einen ganz wichtigen Ecktermin. Man hatte uns nämlich angedroht, wir würden nur bis 19 Uhr etwas zu Essen bekommen und unsere Mägen hingen in den Kniekehlen.

So stapften wir also unverdrossen, voller Elan, begleitet von Erinnerungen an Szenen aus dem Leben des Brian, der Rocky Horror Picture Show und natürlich Herr der Ringe in Richtung S-Bahn. Wir waren ein wenig abgelenkt, aber der Busfahrer, der uns fast anschob, war ganz entspannt, so dass uns genug Zeit blieb, quietschend auf den Gehweg zu springen. Endlich erreichten wir mit letzter Kraft den Bahnsteig und … Er war schwarz voll Menschen. Leib an Leib standen sie dichtgedrängt vor uns. Die nächste S-Bahn besteigen? Aussichtslos. … und die Uhr tickte und die Mägen knurrten.

Aber wir waren ja an einem Taxistand direkt an der Messe vorbeigekommen. Unsere letzte Chance. Die Erinnerung an die 20 wartenden Taxen von vorhin beflügelte uns auf dem Rückweg. Na gut fast… Also marschierten wir mit letzter Kraft zurück. Aber statt einer Schlange voller schneeweißer Taxen stand dort jetzt eine bunte Schlange Menschen, nicht sehr lang, aber doch mehr als ein Taxi fassen konnte. Zum Glück mussten wir nicht lange warten und auch wenn sich ein paar Spezialisten vordrängelten, was fast zu einer verbalen Prügelattacke führte, saßen wir wenige Minuten später mit einer weiteren Frau in unserem Taxi auf dem Weg zum Markt.

Ich schwöre Euch, der Taxifahrer gab alles. Er nutzte jede Abkürzung, nahm kirschgrüne Ampeln mit und fuhr mit uns Wege, auf denen er seltsamerweise, wie er uns berichtete, niemals anderen Taxifahrern begegnet. In einer sensationellen Zeit trotz Stau und bester Stimmung erreichten wir den Markt und wir danken dir unbekannter Held ♥. Du hast uns vor dem Hungertod bewahrt! Und die RAL-Farbe für die taxigrünen Ampeln bekommen wir auch noch raus.

Am nächsten Morgen war Schleppen angesagt. Goodiebags über Goodiebags für ein Meet and Greet am Stand wollten mit zur Messe genommen werden. Das motivierte uns erneut, ein Taxi zu rufen. Auch wenn eine Zeitvereinbarung mit der Taxizentrale etwas schwierig ist, da man dort offensichtlich nur halbe Stunden kennt aber keine Minutenangaben außerhalb, erreichte uns wieder ein ein Fahrzeug mit einem liebenswürdigen Fahrer.  Meganett und tiefenentspannt. Nichts konnte ihn aus der Ruhe bringen, Auch nicht, dass eine von uns Chaosqueens nach kurzer Fahrt feststellte, dass die Messekarte zu Hause in der Hose von gestern steckte. Seelenruhig und liebenswürdig kehrte er um und wartete geduldig mit uns auf die fehlende Autorin – dieses Mal mit Eintrittskarte.

Er ertrug unsere Diskussionen des Tagesgeschehens, dass sich vorwiegend um Schäfer scharfe und Geissen geile Themen aus der Promiwelt richtete, die wir natürlich alle nur vom Hörensagen kennen, und freute sich über das Schmerzensgeld, das wir ihm beim Erreichen des Messegeländes zahlten.

Abends – dieses Mal nur zu zweit – trafen wir den wilden Roger. Sehr redselig beglückwünschte er uns zunächst einmal, nicht in das Taxi vor uns gestiegen zu sein, in welchem wohl sogar die Wände mit Knoblauch eingerieben wären und der wohlduftende Fahrer – Mitglied einer taxifahrenden Großfamilie, die sich eine Lizenz teilte – der deutschen Sprache nicht mächtig sei. Gesprächig wie er war, erfuhren wir dann auch schon bald, von den amourösen Abenteuern seiner Jugend. So annoncierte er als Stift den Wunsch, vollbusige Damen kennenzulernen. Als er dann jedoch das Angebot von zwei 150 kg schweren – bestimmt sehr vollbusigen – Damen erhielt, eine auszuwählen, rettete ihn nur noch die Aussage vom vergessenen Blumenstrauß im Taxi und ermöglichte ihm die Flucht. Auch die Tatsache, dass er von Kollegen überrascht wurde, als er mit ähnlich gewichtigen Damen – natürlich nur aus reinem Mitleid – Kaffee trank, versüsste ihm diese Leidenschaft wohl nicht wirklich.  Die Veränderung seines Beuteschemas – jetzt reifere Frauen – brachte ihm ebenfalls nichts als Probleme, als ihm Mütter mit ihren Töchtern zum Anlernen durch Beobachten angeboten wurden. Mit tränennassen Augen vor Lachen erreichten wir schließlich unser Quartier und lieber Roger: Wir wünschen dir wirklich, dass du nach deiner bewegten Jugend noch die Frau deines Lebens gefunden hast. Diese Geschichte blieb uns leider versagt, da unsere Wohnung offensichtlich zu nah an der Messe ist, um dein gesamtes bewegtes Liebesleben zu erfahren.

Zusammenfassend können wir jedoch einstimmig vermelden: Taxifahren in Leipzig ist jeden einzelnen Kilometer wert, den man zurücklegt.